Krisen in der Familie

Wenn es in der Familie kriselt, betrifft es immer alle Mitglieder. In einer Familie sind verschiedene Beziehungen miteinander verbunden. So gibt es die Beziehung der Eltern, die der Kinder untereinander und natürlich die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Damit das harmonische Zusammenleben klappt, braucht es besondere Achtsamkeit. So geht es sowohl um die Paarbeziehung der Eltern (mehr dazu auch auf anderen Seiten dieser Website), die Erziehung der Kinder, aber auch die Rechte und Wünsche von Kindern und Eltern. Wie die ausgeglichener Balance mit Platz für alle Bedürfnisse hergestellt werden kann, ist Inhalt dieser Seite.

Für die Sondersituation der Pandemie stellen wir hier außerdem gesonderte Informationen zur Verfügung. Wir empfehlen jedoch,  auch die Sonderseite Corona durchzuschauen.

Sonderseite Corona

 

HINWEIS ZUR NUTZUNG

Bitte beachten Sie immer, dass wir ihre konkrete Situation nicht kennen und wir auch nicht einschätzen können, ob die jeweiligen Hinweise tatsächlich auf ihre Situation passen und wirksam sind. Daher schauen Sie bitte immer genau hin, wie und ob die Hinweise für Ihre Situation stimmig sind.


Sonderthema Corona in der Familie

Eltern arbeiten im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Manche haben ihren Arbeitsplatz durch die Pandemie verloren, manche sorgen sich um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes. Das Geld kann knapp werden. Die Kinder können nicht in Kindergarten oder Schule, der Kontakt zu Verwandten und Freunden ist enorm eingeschränkt. Wann der nächste Urlaub möglich ist, bleibt ungewiss. Niemand kann genau sagen, wie lange diese Ausnahmesituation anhält.
Die anhaltende Bedrohung der Gesundheit allein wäre schon Stress genug. Normalerweise ist jeder Mensch mit Verhaltensweisen ausgestattet, um auf äußere Bedrohungen zu reagieren und diese schnell wieder zu beenden. Aber weder Flucht, noch Rückzug noch Erstarren sind geeignet, um die anhaltende Bedrohung durch das Covid-Virus abzuwenden. Es heißt abzuwarten, Geduld zu bewahren und mit den Einschränkungen einigermaßen geschickt umzugehen. Damit die Familienzeit nicht zwischen zusätzlichen Pflichten und Belastungen untergeht, hier ein paar Empfehlungen zur inneren Einstellung:

  • Gelassenheit

Es ist in dieser Zeit nicht immer wichtig, dass alles perfekt funktioniert. Gerade ist die Belastung für alle in der Familie besonders herausfordernd. Da bleibt auch mal was liegen. Gerade jetzt ist es wichtig, dass Sie als Team gut zusammenarbeiten . Die perfekt aufgeräumte Wohnung darf auch mal eine Nebenrolle spielen. Geben Sie dem inneren Antreiber immer mal wieder für einen Tag frei und versuchen Sie, das, was zu erledigen ist, so zu tun, wie Sie es gerade können, ohne einem Anspruch gerecht werden zu müssen. „Es“ darf auch mal mittelmäßig sein. Gelassen zu bleiben, die eigenen Ansprüche aus der Vor-Corona-Zeit herabzusetzen, kann helfen, die Situation zu entspannen und damit auch den Stress für Sie und ihre Kinder zu minimieren.

Außerdem: Wenn Sie sich selbst auch mal eine Auszeit von einem sonst durchgetakteten Alltag gönnen und Dinge tun, für die sonst keine Zeit ist, leben Sie Ihren Kindern vor, dass Entspannung Teil eines gesunden Lebens ist.

  • Nachsicht

Im Alltag gehen wir oft streng mit uns um und tadeln uns, wenn wir etwas vernachlässigt haben oder uns etwas nicht gelingt, was wir uns vorgestellt oder vorgenommen haben. Bleiben Sie nachsichtig – mit sich selbst, mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin und mit Ihren Kindern. Wir alle kennen die Situation, dass die Motivation nachlassen kann und Dinge geschoben werden. In einer Krise zu stecken, kostet Energie, die dann an anderer Stelle fehlt. Denn: Je strenger Sie zu sich selbst sind, desto strenger fällt auch die Erziehung aus.

  • Wertschätzung

Unser Alltag ist sehr von Leistung geprägt. Das erfahren auch unsere Kinder. Oft erhalten Sie Lob und Anerkennung dann, wenn Sie gute Noten nach Hause bringen oder bei Sport und Spiel eine besondere Leistung gezeigt haben. Das macht ganz schön Druck. Wenigstens zuhause sollten Kinder sich sicher sein können, dass sie so geliebt werden wie sie sind - auch ohne Ansprüchen genügen zu müssen.

  • Entspannung

Sich zu entspannen, lässt sich lernen. Warum nicht gemeinsam als Familie? Entspannungstechniken gibt es viele und sich zusammen auf eine Pizza-Massage zu freuen oder gemeinsam auf die Körperreise zu gehen, macht auch noch Spaß. Im Internet gibt es zahlreiche Hinweise auf weitere Entspannungstechniken.

  • Regeln

Trotz aller Gelassenheit, Nachsicht und Entspannung braucht es auch Regeln, um dieses ungewohnt enge Zusammenleben für alle erträglich zu machen. Denn Regeln geben Halt und Orientierung. Besprechen und diskutieren Sie gemeinsam mit allen Familienmitgliedern, welche Regeln aufgestellt werden sollen und warum. Besprechen und diskutieren Sie auch gemeinsam, was als Konsequenz zu erwarten ist, wenn Regeln (wiederholt) nicht eingehalten werden. Wenn alle die Regeln verstehen und mit den vereinbarten Konsequenzen bei Nichteinhaltung einverstanden sind, fällt es leichter, sich an die Regeln zu halten. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass alle mit in die Verantwortung genommen werden, die gemeinsam aufgestellten Regeln zu beachten. Es sind dann nicht nur Mama- / Papa-Regeln, die befolgt werden sollen.

  • Rituale

Rituale geben Struktur und bieten Orientierung. Sie sind ähnlich wie Regeln, nur freuen wir uns meistens darauf, sie einzuhalten. Rituale müssen nicht besonders groß sein. Das gemeinsame Essen, das Lied vor dem Schlafengehen, den Ausflug am Sonntag. Manchmal nutzen sich Rituale auch ab, sie werden dann als langweilig oder lästig empfunden. Halten Sie dann nicht weiter daran fest, sondern erfinden Sie neue, die wieder Laune machen. Gerade Kindern geben Rituale Geborgenheit und damit auch Entspannung.

  • Zeit

Geben Sie sich und Ihrer Familie Zeit, mit dieser andauernden Ausnahmesituation klarzukommen. Die Einschränkungen einzuhalten und den Alltag immer wieder neu zu organisieren, ist aufreibend und kostet Kraft. Es kann deshalb nicht alles wie am Schnürchen (weiter-)laufen. Jedes Familienmitglied wird sich immer wieder mal überfordert fühlen und entsprechend mit Gereiztheit, mieser Laune oder Rückzug reagieren. Lassen Sie in solchen Momenten Großzügigkeit walten und sehen Sie soweit wie möglich darüber hinweg. Weil vieles sich gerade nicht vorhersehen und planen lässt, konzentrieren Sie sich am besten auf jeden einzelnen Tag. Gedanken an das „Was wäre wenn“, so verständlich sie gerade sind, frustrieren, machen wütend oder traurig. Das führt die eigene Ohnmacht noch stärker vor Augen und raubt Ihnen Energie, die Sie gerade täglich aufs Neue brauchen. Viel schöner ist es, wenn Sie die Zeit nutzen, um sich gemeinsam wohl zu fühlen.

Eine kurze Übersicht

Aus der Erziehungsberatung hat die Caritas für Familien 12 Tipps für Eltern und Kinder zusammengestellt. Die Hinweise sind allgemein gefasst und sind dennoch auf die aktuelle Situation ausgerichtet.

Zu den Tipps

 

Tipps für den Umgang mit Kindern

Kurz und einfach geschrieben hat die SuperIllu eine kleine Liste von 10 Tipps für einen geselligen Umgang mit Kindern in der Zeit von Corona verfasst.

Zum Beitrag

 

Gemeinsamzeit als Chance

Ein paar konkrete Vorschläge zur Freizeitgestaltung, wenn die üblichen Ausflüge wegfallen, hat der NDR zusammengetragen, damit die Gemeinsamkeit auch als Chance genutzt werden kann.

Zum Artikel

Schöne Ferien mit Kindern

In der Krise unterscheiden sich die Ferien nur noch wenig von der anderen Zeit. Worauf es ankommt, damit die Zeiten dennoch positiv und erfrischend gestaltet werden, erzählt Professorin Stefanie Greubel (Kindheitspädagogin) im WDR-Radiointerview.

Zum Radiobeitrag

 

Tipps zur Kinderbetreuung in der Krise

Damit die Betreuung zuhause klappt, haben Bund und Länder Hinweise für die Kinderbetreuung zuhause zusammengetragen. Angefangen von Tipps für die Gestaltung der häuslichen Situation über finanzielle Hilfen bis hin zu externen Hilfen sind hier verschiedene Informationen aufbereitet.

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Videos zum Homeschooling

In der ARD-Mediathek werden diverse Sendebeiträge und Clips vorgestellt, die sich mit dem Homeschooling befassen. Von der Sendung mit der Maus bis hin zu Lernvideos für die Oberstufe, ist für alle Altersklassen etwas zu finden.

Zu den Videos

Familienkonstellationen im Blick

In dieser Stellungnahme des Fachverbands für Erziehungs- und Familienberatung werden vor allem die verschiedenen Familienkonstellationen in den Blick genommen. Was beispielsweise bei getrenntlebenden Familien oder besonders belasteten Familien wichtig ist, ist in einem kurzen Kommentar zusammengefasst. Download der Stellungnahme

 

Müde von der Krise

Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht einer Familie in der Krise. Um den ganzen Spiegelbeitrag lesen zu können, ist ein Bezahlabo erforderlich.

Zum Spiegelbeitrag

 


Hilfreiche Quellen zur Information und Beratung für Eltern und Jugendliche

(nicht nur in Pandemiezeiten).

Die Caritas in Deutschland ist kooperativ mit der KBKEFL verbunden. Hier finden Sie eine ausführliche Onlineberatung zu ganz unterschiedlichen Themen - auch, wenn Ihr Thema nicht familienbezogen ist:

Zur Onlineberatung der Caritas

 

Anlaufstellen für Eltern, die sich überfordert fühlen

Die Caritas hat für Eltern, die überfordert sind, eine Liste von Anlaufstellen zusammengetragen. Zur Liste

Spezielle Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche

Eine Übersicht möglicher Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche in Notlagen- abgesehen von den EFL-Beratungsstellen - ist auf dem Familienportal zusammengetragen.

Zur Website

Die Nummer gegen Kummer ist für Kinder und Jugendliche da. Einfach anrufen oder zu jeder Zeit das Onlineangebot nutzen. Für Eltern gibt es das Angebot des Elterntelefons:

Nummer gegen Kummer

 

Krisenauslöser

In einer Familie können viele Dinge eine Krise auslösen und nicht immer müssen sie von außen herangetragen werden. Hier eine Auswahl an möglichen Krisenauslösern und was sie mit den einzelnen Familiemitgliedern machen.


Überlastung der Eltern

Es kann eine ganz schöne Herausforderung sein, wenn Job, Kindererziehung, Haushalt und möglicherweise noch die Pflege einer oder eines Angehörigen zusammenkommen. Eltern sind oft am Limit. Wenn das Pensum kaum zu schaffen ist und es fällt schwer, die Ruhe in jeder Lebenslage zu behalten, belastet das alle. Trotz oder gerade wegen all der Anforderungen ist es wichtig, dass Eltern sich Zeit für sich selbst und füreinander reservieren. Am besten fest im Kalender einplanen wie all die anderen Termine auch. Sonst wird die Auszeit geschluckt. Geraten Eltern aus der Puste, sinkt ihre Toleranz, sie reagieren schneller gereizt. Steigt der Stress und Spannungspegel bei den Eltern, wirkt sich das unmittelbar auf die Kinder aus. Wenn sich an den äußeren Faktoren wenig ändern lässt, kann es auch helfen, Ansprüche und innere Parameter zu verändern und Hilfe von außen anzunehmen.


Krankheiten der Eltern

Zwei Arten von Krankheiten können die familiäre Situation aus der Bahn werfen: Unfälle und plötzlich auftretende Krankheiten oder Krankheiten mit einem langsamen Verlauf.

Plötzlich eintretende Ereignisse stellen gewohnte Abläufe in der Familie auf den Kopf und sind hochgradiger Stress. Sie verlangen eine schnelle Umstellung des Alltags und lassen kaum Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Sobald alle organisatorischen Dinge erledigt sind, hat die Seele Zeit "hinterher" zu kommen. Sich Zeit zu nehmen für die Kinder und mit ihnen in Ruhe über ihre Fragen und Befürchtungen zu sprechen, gibt Kindern wieder Sicherheit. Manchmal haben Kinder erstmal gar keine Fragen, sondern brauchen das Gefühl der Eltern, dass sie für sie da sind. Sie sollen aber wissen, dass sie jederzeit mit ihren Fragen auf die Eltern zugehen können und Antworten erhalten. Später kann das offene Gespräch über noch kommende Hürden helfen, die Situation als Familie zu überstehen.

Eine andere Problematik ergibt sich bei den chronischen Erkrankungen, wozu auch psychische Erkrankungen und Süchte zählen. Kinder spüren in jedem Alter, wenn etwas mit den Eltern nicht stimmt, auch wenn diese versuchen, sich nichts anmerken zu lassen. Selbst Kleinkinder nehmen feine Veränderungen in der Stimmung bei den Erwachsenen wahr und reagieren darauf, z.B. verhalten sie sich weinerlicher oder anhänglicher als sonst. Deshalb ist es wichtig, mit Kindern frühzeitig in ihrer Sprache über die Veränderungen zu sprechen. Sie sind oft gar nicht an allen Details interessiert. Es hilft ihnen zu erfahren, dass ihre Wahrnehmung stimmt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Bevor Sie als Eltern aus Scham oder Unsicherheit das Gespräch mit ihren Kindern auf die lange Bank schieben, holen Sie sich fachliche Hilfe. Falls nötig können auch Kinder anschließend in ein Familiengespräch einbezogen werden, um über ihre Nöte und Ängsten zu sprechen. Manchmal trauen sie sich in der Familie nicht, diese anzusprechen, weil sie die Eltern nicht noch mehr belasten wollen.


Trennung der Eltern

Die Trennung von Eltern ist ein langer Prozess mit vielen Schritten, die für sich genommen schon sehr schmerzhaft sind (Hier mehr zu Paarkrisen). Es spielt dabei keine Rolle, ob unüberwindbare Differenzen oder das fehlende Interesse aneinander die Ursache sind. Eine Trennung verändert den Lebensalltag von Erwachsenen und Kindern einschneidend, was bei allen Beteiligten mit schmerzhaften Gefühlen verbunden ist. Anfangs haben die Erwachsenen selbst oft keine klare Vorstellung, wie sich mit einer Trennung das eigene Leben und das Leben der Familie verändert. Offen miteinander zu sprechen, fällt den meisten Erwachsenen in einer Trennungssituation schwer. Oft stehen Kränkung, Enttäuschung, Angst, Wut und Trauer dazwischen. In Ruhe einander zuzuhören und auf Vorwürfe und Schuldzuweisungen zu verzichten, ist oft ohne fremde Hilfe nicht möglich. Daher scheuen Sie sich nicht, sich bei einer Trennung an eine neutrale dritte Person mit Fachkenntnissen zu wenden, die die Gespräche über das, was alles geregelt werden muss, moderiert. Weitere Hinweise auf den Umgang miteinander in Krisenzeiten zu gestalten, finden Sie auf unserer Seite "Anregungen in Krisen --> Paare"


Verlusterfahrung bei Erwachsenen

Der Verlust eines Menschen oder der Arbeit löst meistens starke Gefühle von Verzweiflung, Wut, Trauer, Existenzangst, Hoffnungslosigkeit und Selbstzweifeln aus, die sich auch auf die Stimmung in de Familie niederschlagen. Oft versuchen Eltern, ihren Kindern diese Belastung zu ersparen zu ersparen und reden nicht mit den Kindern, warum sich die Stimmung zuhause verändert hat. Sie verhalten sich aber spürbar anders und reagieren z.B. ungeduldiger oder erlauben weniger als sonst, oder sie ziehen sich in ein Schneckenhaus zurück und sind kaum noch ansprechbar. Kindern hilft, von ihren Eltern zu erfahren, was diese belastet, damit sie die Situation besser einordnen können und sich selbst weniger unter Druck setzen. Teilen Sie Ihren Kindern auch mit, dass diese nichts tun können, sondern dass Sie als Eltern sich darum kümmern werden, an der Situation etwas zu verändern. Ansonsten übernehmen Kinder schnell Verantwortung und lassen sich etwas einfallen, damit ihre Eltern nicht länger leiden. 


Streit zwischen Eltern und Kindern

Kommt es zu Krach zwischen Eltern und Kindern, ist das belastend für alle. Jede/r fühlt sich unwohl, wenn die Stimmung im Keller ist und nicht mehr geredet wird. Auslöser sind häufig Anlässe wie mangelnde Mithilfe im Haushalt, Unordnung im Kinderzimmer, Stress wegen schlechter Noten oder Hausaufgaben oder das Nicht-Einhalten von Regeln. Da scheiden sich schon mal die Geister. Statt Kindern Vorwürfe zu machen, dass sie faul, unordentlich, rücksichtslos usw. sind, sprechen Sie in Ruhe ganz konkrete Situationen an, die Sie verärgert haben und die Sie sich anders wünschen. Wenn Sie ihr Kind erreichen wollen, ist es günstiger, auf Forderungen wie „Du sollst endlich mal ordentlicher werden“ oder „Du sollst dich mehr anstrengen“ zu verzichten. Damit können Kinder in der Regel nicht viel anfangen. Versuchen Sie, ganz konkret das Verhalten zu nennen, das Sie sich wünschen, z.B. einmal in der Woche eine Aufgabe für den gemeinsamen Haushalt zu übernehmen. Fragen Sie ihre Kinder nach ihren Ideen, wie sich etwas verändern bzw. verbessern kann. Und: Loben Sie Ihre Kinder, wenn sie etwas umsetzen, das Sie sich wünschen. Das motiviert Ihre Kinder und tut auch Ihnen gut.

Stress bei den Kindern

So sehr sich Eltern auch bemühen, ein Leben ohne Stress können sie ihren Kindern nicht bieten. Schule, Freunde, Familienzwist oder andere Belastungen sind Teil des Lebens und kurzzeitig auch normal. Schwierig wird es, wenn der Stress andauert. Kinder reagieren genauso auf Stress wie Erwachsene: sie werden beispielsweise teilnahmslos und ziehen sich zurück, haben Bauchweh oder Kopfschmerzen, sie werden aggressiv und reizbar oder leiden an Konzentrationsschwierigkeiten. Dauern die Symptome an, leiden die sozialen Bindungen und schulische Leistungen sacken ab - es beginnt ein Teufelskreis. Sie können Ihrem Kind auch helfen, indem Sie die Ansprüche angemessen gestalten und vielleicht auch mal runterschrauben. Vorgelebte Gelassenheit, auch mal fünf gerade sein zu lassen, kann helfen, sich selbst zu genügen. Ein Kind, das lernt, wie es gut mit Stress umgehen kann, ist auch größeren Herausforderungen gewachsen und kann sich selbst als wirksam erleben. Eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit, die für das Erwachsenenalter sehr nützlich ist.

 


Krankheiten der Kinder

Für Eltern ist es nur schwer zu ertragen, wenn das eigene Kind sich verletzt hat oder eine Krankheit durchstehen muss. Sorgen und Ängste sind schier unerträglich und nicht selten kommen Selbstvorwürfe  oder Schuldzuweisungen hinzu. Kinder haben andere Sorgen in diesem Moment. Körperliche Schmerzen und Einschränkungen ihres Alltags machen ihnen zu schaffen. Vielleicht auch die Sorge, ob sich das bald wieder bessert. Den Kindern Mut zu geben, ihnen mit Fürsorge die Situation zu erleichtern und Vertrauen in die Unterstützung der Erwachsenen zu geben, ist das Beste, was Sie tun können. Ihre Sorgen und Ängste abzubauen, ist jedoch genauso wichtig, vor allem, wenn Sie sich die Schuld an der Erkrankung Ihres Kindes geben. Wenn Sie keinen geeigneten Rahmen finden, um über Ihre belastenden Gefühle zu sprechen, kann externe Hilfe gute Dienste leisten. Schuldzuweisungen sind in dieser Situation jedoch nicht gut. Sie belasten die Situation zusätzlich.


Kinder in der Trennung

Der Trennung der Eltern geht meist eine lange Zeit kriselnder Stimmung zuhause voraus. Für Kinder ist nicht immer klar zu erkennen, warum Eltern sich streiten und ob sie sich noch lieben oder nicht. Vielfach sind Erziehungsfragen der Auslöser, wenn Eltern sich streiten. Deshalb kann es passieren, dass Kinder glauben, sie seien Grund für die Streitigkeiten der Eltern und damit an der Trennung. Es ist wichtig, den Kindern - je nach Alter in angemessener Weise - offen zu sagen, dass dass die Eltern nicht mehr zusammen leben möchten und dass die Kinder keine Schuld trifft. Vermitteln Sie ihnen auch, dass sie nichts tun können, um diese Entscheidung zu verändern. Von der Trennung der Eltern zu erfahren, ist für Kinder und Jugendliche ein Schock. Deshalb brauchen sie schnell Sicherheit und Klarheit. Sie wollen wissen, wie ihr Alltag aussieht, bei wem sie wohnen werden, ob und wann sie den anderen Elternteil sehen können etc.. Es kann sein, dass Kinder anfangs nicht so viele Fragen stellen. Wenn sie aber eine Frage beschäftigt, ist es gut, wenn Sie als Eltern ein offenes Ohr haben und sich Zeit nehmen, auf die Fragen Ihrer Kinder einzugehen. Sie sollten ihren Kindern unbedingt ersparen, den anderen Elternteil zu beschuldigen, für die Trennung verantwortlich zu sein. Das bringt Kinder in eine Zerreißprobe und setzt sie einer enormen Belastung aus. Vermitteln Sie beide Ihren Kindern, dass sie von Ihnen beiden weiterhin geliebt werden. Je nach Alter sollten Kinder mehr oder weniger eingebunden werden bei der zukünftigen Lebenssituation.


Verluste bei Kindern

Auch Kinder haben Verluste zu beklagen, die nicht immer einfach sind. Gerade wenn Kinder noch kleiner sind und sich sprachlich noch nicht so gut äußern können, kann es vorkommen, dass sie nicht erzählen, was los ist. Sie verhalten sich dann anders. Der Verlust von Oma oder Opa, die weit weg wohnen, kann dadurch weniger belastend sein als beispielsweise der Verlust einer Freundin aus dem Kindergarten, die weggezogen ist. Wenn ein Kind auf einmal stiller wird, sich aggressiver verhält oder keine Lust mehr an Dingen hat, die es vorher so gerne mochte, ist die Aufmerksamkeit der Eltern gefragt. Sprechen Sie Ihr Kind beim Spielen, dem Zubettgehen oder beim Essen an und fragen nach, was sie / ihn bedrückt. Manchmal hilft auch, ein paar Vorschläge zu machen, was Ihrem Kind das Leben schwermachen könnte. Falls der Anlass z.B. der Verlust eines geliebten Spielzeugs ist, der Ihnen wie eine „Lappalie“ vorkommt, nehmen Sie Ihr Kind ernst und helfen ihm, einen Weg zu finden, wie es mit diesem Verlust umgehen kann. Ältere Kinder haben oft selbst Ideen, was ihnen hilft, über einen erlittenen Verlust hinwegzukommen.


Streit unter Geschwistern

Streit unter Geschwistern ist nichts ungewöhnliches, solange er nicht zum Dauerzustand wird. Geschwister konkurrieren untereinander, messen sich mit ihren Talenten und Fähigkeiten, probieren aus, wer sich durchsetzen kann, rangeln manchmal auch um die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern. Gar nicht so selten, schaffen es Kinder auch selbst, sich zu einigen. Da stören Erwachsene eher, wenn sie sich zu früh einmischen. Wenn Sie sich zunächst zurückhalten, vermitteln Sie ihren Kindern, dass Sie Ihnen zutrauen, selbst wieder aus einem Streit herauszukommen. Schaffen Kinder es nicht alleine, helfen Sie ihnen, so zu streiten, dass es nicht auf Kosten des / der anderen geht. Kinder können mit ihrer aktiven Unterstützung lernen, dass Ausreden lassen, zuhören, nicht beschuldigen und nicht verletzen wichtige Verhaltensweisen sind, um gut streiten zu können. Häufig haben sie sogar selbst eine Idee, wie sie einen Streit beenden können. Kinder lernen auch von Ihnen als Eltern, wie es gelingen kann, in einer guten Weise zu streiten. Siehe auch Tipps zur gewaltfreien Kommunikation.   


Weitere Gründe

Natürlich kann es auch noch ganz andere Gründe geben, warum eine Familien auf einmal in die Krise gerät. So können Konflikte zwischen den Generationen ausufern oder auch Großeltern, Tanten und Onkel oder erwachsene Kinder an der Erziehung beteiligt sein und andere Vorstellungen haben, was zu tun ist. Unsere Aufzählung ist daher keine abschließende Auflistung.


Allgemeine Hinweise auf ein gelungenes Miteinander

In allen Krisensituationen gibt es Besonderheiten, die sich von anderen Krisen unterscheiden. Dennoch gibt es ein paar Grundgedanken, die für ein gelungenes Miteinander hilfreich sein können. Die haben wir in dem Beitrag: Hilfe in familiären Krisen zusammengefasst.

Da innerhalb von Familien auch immer die Beziehung der Erwachsenen eine Rolle spielt, weisen wir an dieser Stelle auch noch mal auf unsere Seiten Anregungen in der Krise --> Paare und Anregungen zur Beziehungspflege --> Paarbeziehungen hin.

Literaturhinweise

Wenn Sie sich weiter informieren möchten, empfehlen wir Ihnen folgende Beiträge:

  • Das Niedersächsische Familienministerium hat einige Hinweise für Krisenbewältigung in der Familie zusammengetragen. Zur Website
  • In einer gut aufbereiteten Website gibt das Familienmagazin einen Überblick, woher eine Krisensituation kommt und wie sie bewältigt werden kann. Zur Webite
  • In einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung diskutieren Experten über den Sinn und Zweck von Regeln und wie nötig es ist, Kinder auch bei schlechter Leistung zu loben. Zum Beitrag
  • Auf T-Online wird in diesem kurzen Beitrag die Ursachen für "schwierige Kinder" in den Blick genommen. Zum Beitrag
  • Hier geht es konkret darum, dass die Probleme der Eltern miteinander, die Kinder belasten. Zum Beitrag